Genau wie Museumssammlungen sind Sprichworte und Redewendungen Brücken in die Vergangenheit. Ihre Entstehung ist häufig mit bäuerlichen, hauswirtschaftlichen oder handwerklichen Tätigkeiten und Gebräuchen verbunden. Beim Betrachten vieler unserer Museumsobjekte lassen sich daher Herkunft und Sinn unserer Sprichworte gut ergründen. Dieser interessante Aspekt hat uns dazu veranlasst, regelmäßig ein Sprichwort und seinen Ursprung vorzustellen.
Das Sprichwort des Monats Juni 2026
„Wo gehobelt wird, da fallen Späne.“
Hier erkennt man leicht die Herkunft aus dem handwerklichen Bereich. Und auch der Gedankensprung vom ungehobelten, rauen Holz zu den ungehobelten Manieren eines Menschen ist nachvollziehbar.
Das anschauliche Sprichwort „Wo gehobelt wird, da fallen Späne“ ist aber durchaus mehrdeutig. Es drückt aus, dass man für ein angestrebtes Ziel gewisse Nachteile oder Unannehmlichkeiten in Kauf nehmen muss. Der Spruch kann zur Ausrede werden, dass man auf Andere keine Rücksicht nehmen will. Im Militärjargon spricht man lieber technokratisch von „Kollateralschäden“ anstelle von zivilen Opfern.
Im positiven Sinn bildet das Sprichwort eine Ermutigung, an einem richtigen und wichtigen Ziel dranzubleiben, auch wenn vorübergehend kleinere Nachteile damit verbunden sind.


